Tierischer Ernst
»Was machst du denn für ein Gesicht? Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?« – »Ich fühle mich einfach durch den Wolf gedreht.« – »Wieso? Komm schon, sei kein Frosch oder muss ich dir die Würmer einzeln aus der Nase ziehen?« – »Da hab ich nun endlich ein Handy und kein Schwein ruft mich an, kein Aas kümmert's. Ich bleibe wohl bloß ein schwarzes Schaf.« – »Aha, dort liegt der Hase im Pfeffer. Du bist zwar ein schräger Vogel, aber deswegen den wilden Affen markieren?« – »Du hast leicht reden. Bist bekannt wie ein bunter Hund und lebst wie die Made im Speck.« – »Wer hat dir den Floh ins Ohr gesetzt? Auch mir fliegen die gebratenen Tauben nicht ins Maul.« – »Aber das pfeifen doch die Spatzen von den Dächern.« – »Alles bloß Unkenrufe! Erzähl weiter.« – »Wenn du nicht das Kalb mit mir machst?« – »Keine Sorge. Und wisch dir die Krokodilstränen aus dem Gesicht. Die weichen nur deine Krähenfüße auf.« – »Gut so? Nun, nach langem Zögern packte ich den Stier bei den Hörnern, bin sogar mit den Hühnern aufgestanden und musste im Geschäft in einer endlosen Schlange warten. Wir standen eingepfercht da, wie Sardinen in einer Büchse. Doch bald spürte ich Schmetterlinge im Bauch, als ich an mein Handy im Tigerfell dachte. Da zwängte sich ein feiner Gockel dazwischen und plusterte sich auf wie ein Pfau. Weiß der Geier, aber der Tölpel stank wie ein Ziegenbock. Igitt! Der Geruch ging auf keine Kuhhaut. Ich torkelte wie ein Matrose auf hoher See und mein Magen igelte sich ein. Ergo fütterte ich die Fische auf der Bluse der dummen Gans neben mir. Danach fühlte ich mich wie der Elefant im Porzellanladen, aber ich konnte keine Fliege machen.« – »Uff, mich knutscht ein Elch!« – »Ja, und dann haben mich alle zur Schnecke gemacht. Es war alles für die Katz. In diesen Laden bringen mich jedenfalls keine zehn Pferde mehr.« – »Und woher hast du nun dein Handy?« – »Einem Inserenten der ›Tierwelt‹ abgeluchst.«
© 2004, Roger Jud
(Veröffentlicht im Sammelband »Köstliche Halbwahrheiten«)
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